Eigener Herd ist...

... Goldeswert …

beginnt ein Sprichwort. Es stammt noch aus einer Zeit, als Errungenschaften wie eine Krankenversicherung, Rente, etc. noch nicht einmal angedacht, geschweige denn eingeführt waren. Jeder musste für sein Auskommen selbst sorgen. Ein eigener Herd war ein Luxus, den sich nicht jeder leisten konnte! Ein eigener Hausstand und Haushalt war und ist nach wie vor etwas sehr Wertvolles.

Da bekommt das Ende des Sprichwortes:

…ist man auch mal arm hat man es doch warm. 

eine ganz tiefe Bedeutung. Der Ofen als zentraler Mittelpunkt der Küche. Von hier geht alles aus. Neben Geborgenheit, die der Herd ausstrahlt, Warmhalten und Zubereitung von Lebensmitteln wie heißen Getränken, Kochen, Braten und Backen (vor allem Brotbacken) kann man den eigenen Ofen auch als Wärmespender zum Heizen einsetzen. Darüber hinaus wurde er in früheren Zeiten zum Wäschewaschen genutzt und erhitzte das Wasser für die Körperhygiene.

 

 

Unsere Ahnen haben ökonomisch gedacht.

Zur Zubereitung seiner Nahrung hat sich der Mensch von jeher einen besonderen Platz reserviert. Was mit der Feuerstelle in einer gegen Unwetter und andere Unbilden geschützten Höhle begann hat sich über die Jahrtausende zu dem entwickelt, was wir heute Küche nennen. Und noch immer bildet die eigentliche Kochstelle faktisch das zentrale Element des Hauses.

Über Jahrhunderte hinweg war der Herd in Mitteleuropa das Herz einer jeden Wohnküche und es gab einen sogenannten Kachelherd. Im Alpenraum wurde er auch als "Sesselherd" bezeichnet. Es ist eine Variante des Kachelofens und wie dieser aus der Überbauung des offenen Herdfeuers entstanden.

Er hat eine sehr angenehme Strahlungswärme, welches die natürlichste Wärme überhaupt ist. Strahlungswärme kommt der Natur am Nächsten, bereitet zudem ein behagliches Raumklima und ist eine natürliche Grundlage für Gesundheit, Geborgenheit und Entspannung im Haus.

Dazu funktioniert das Ganze ohne Öl, Gas oder Strom. Es wird ausschließlich mit heimischen nachwachsenden Ressourcen gearbeitet. Man kann die Heizkapazität voll ausnutzen und sind die massigen schweren Kacheln einmal angeheizt, spendet der Ofen den ganzen Tag angenehme Wärme. Beim Heizen mit einem Kachelofen wird im Raum weniger Staub aufgewirbelt als bei jedem anderen Heizsystem. Es ist die optimale Kombination aus Umweltschutz, Sparsamkeit, technischem Know How, Gemütlichkeit, Schönheit, gesunder Wärme und nutzt das Wissen von vielen Handwerkern.

Zum Kochen ist er einfach ideal. Die große Herdplatte mit der gleichmäßigen Wärme ist optimal geeignet für die Zubereitung von Speisen, denn seine Temperatur ist gut zu regulieren, man kann jederzeit die Töpfe und Pfannen auf die Seite ziehen und so die Hitze reduzieren.

Ein Ofen in der Küche wärmt einfach Leib und Seele. Die Küche wird so ein Ort der Geborgenheit und der Begegnung und hat besonders in ländlichen Gegenden noch eine große Bedeutung. Dazu gehört, dass das Kochen und das gemeinsame Einnehmen der Mahlzeiten ein wichtiger Teil des sozialen Miteinanders ist.

Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen…

sagte schon mein Großvater. „Wer fest schafft muss auch essen“. In Erntezeiten, in denen körperlich schwer gearbeitet wurde, waren die Knechte und Mägde erschöpft, hatten viele tausend Kalorien verbraucht und mussten wieder zu Kräften kommen. Daher waren die Mengen, die auf den Tisch kamen, beachtlich.

Oft gab es eine aufgeschmelzte Brotsuppn, eine geröstete Griessuppn oder eine geriebene Teigsuppn. In der Dreschsaison wurden für das Abendessen sogar Hühner geschlachtet, damit Fleisch und Nudeln in die Hühnersuppe gegeben werden konnten. Ein kulinarischer Festtag war stets der Schlachttag, an dem abends Leber- und Blutwürste mit Sauerkraut und Kartoffeln aufgetischt wurden und am nächsten Tag obendrein Presssack und Sulz mitsamt den Röstkartoffeln.

In der übrigen Zeit dominierten Kraut, Rüben und Kartoffeln. Statt eines Cheeseburgers bekam ein junger Mensch vor hundert Jahren lediglich ein Kartoffelgemüse vorgesetzt. Das alltägliche Essen wurde ziemlich einfach gehalten. Unsere Urgroßeltern würden angesichts der Mengen an Zutaten, welche wir heutzutage verwenden, ungläubig den Kopf schütteln.

Auch Fleisch war bis vor einigen Jahrzehnten Mangelware und ein sehr knappes und kostbares Gut. Sogar auf den Bauernhöfen waren Fleischgerichte keine Selbstverständlichkeit. Zum einen, weil auf kleineren Höfen nur einmal im Jahr geschlachtet wurde, zum anderen, weil das Fleisch nur unzureichend gelagert werden konnte.

Der Esser näherte sich somit mit gebührendem Respekt allen Gerichten, über die heute der moderne Fast-Food-Junkie höchstens noch die Nase rümpfen würde.

Früher dienten Lebensmittel nicht nur der bloßen Nahrungsaufnahme. Essen symbolisierte gesellschaftliche Fürsorge und sicherte das Überleben der Familie. Nahrungsmittel wurden geteilt und es wurde gegessen, was auf den Tisch kam.

Diesen respektvollen Umgang mit Lebensmitteln haben wir seit 1960 verloren. Es hat sich der Wert der Lebensmittel in der Gesellschaft stark gewandelt. Produkte sind im Überfluss vorhanden und jederzeit verfügbar. Sie haben an materiellem Wert, an Qualität und auch an ideeller Bedeutung eingebüßt. Doch am dramatischten ist, dass der Bezug zur Natur dabei auf der Strecke geblieben ist.

Man sieht es am achtlosen Umgang mit Nahrungsmitteln, der sich in heimischen Müllbergen wiederspiegeln. Jeder Haushalt wirft ca. 82 kg / Jahr Lebensmittel in den Müll, obwohl sie noch genießbar wären.  Wir werfen nicht in erster Linie tatsächlich Verdorbenes weg, sondern Produkte, die uns nicht mehr gut und appetitlich genug erscheinen.

Ein achtsamerer Umgang mit den „Mitteln zum Leben" wäre sinnvoll und auch größere Akzeptanz gegenüber einfachen Gerichten wie zum Beispiel: „Mehlspeisen, Auszogne, Dampfnudeln und Zwetschgenbavesen. Sogar deren Vielfalt verschwindet und hat unter dem Verführungsdruck der modernen industriellen Süßigkeiten-Werbung stark gelitten.

Doch es gibt eine Gegenbewegung. Immer mehr Menschen gehen dazu über, sich mit Nahrungsmitteln selbst zu versorgen. In immer mehr Hinterhöfen werden Kartoffeln, Gemüse und Obst angebaut. Hühner und Ziegen bevölkern ehemalige Ziergärten, um ihre Halter mit Eiern, Milch und Fleisch zu versorgen. Wie zu Ur-Großmutters Zeiten wird in vielen Haushalten wieder gelagert, eingekocht und haltbar gemacht. Die Selbstversorgung ersetzt den wöchentlichen Einkauf im Supermarkt. Es ist eine stille Revolution.

Nicht die Konsumenten, die im Supermarkt zu Gemüse, Milchprodukten und Fleisch mit Bio-Gütesiegel greifen, setzen der zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft tatsächlich etwas entgegen, sondern die Bewegung der Selbstversorger ist es, die für artgerechte Nutztierhaltung und hochwertige, gesunde Lebensmittel aktiv eintritt.

 

Und das Wichtigste: es ist dem Körper verträglicher und schmeckt einfach besser, … wie früher halt.