Vergelt’s Gott

Man hört es heutzutage kaum noch, dieses wunderbare Dankeswort.

Vergelt’s Gott – hat eine weitreichende tiefe Bedeutung und greift viel umfassender als ein einfaches Danke. Interessanterweise wurde das Wort „Danke“ früher nicht ausgesprochen. Ein Dankeschön ist weniger wert als ein „Vergelt’s Gott“, sagte man. Denn mit dem „Vergelt’s Gott“ wünschte der Beschenkte dem Geber, dem Spender, dass Gott oder die Schöpfung ihm seine gute Tat belohnt. Mit einem einfachen „Danke“ konnte dies nicht zum Ausdruck gebracht werden. Daher konnte es sogar als Beleidigung empfunden werden, wenn nur ein einfaches „Danke“ gesagt wurde.

Die Dankesformel „Vergelt’s Gott“ ist noch vereinzelt vor allem in Süddeutschland und Österreich gebräuchlich. Die Bayern haben diese Tradition noch am längsten aufrechterhalten. Doch seit der Jahrtausendwende wird es kontinuierlich weniger und heute bedanken sich nur noch wenige Menschen, die es in ihrer Kindheit gelernt haben, mit einem Vergelt’s Gott.

„Vergelt’s Gott“ ist eine wohlwollende Antwort für Hilfe und Anerkennung, für materielle und immaterielle Geschenke, für geleistete Worte und Taten.

Früher war man sich dessen bewusst, dass man mit jedem „Vergelt’s Gott“  nicht nur dem Menschen gegenüber dankte, sondern sich selbst auch etwas Gutes tat. Denn mit diesem Werk der Tugend und der Dankbarkeit wird der eigene Glaube, das Gott- und Urvertrauen und vor allem segensreiche Nächstenliebe ausgeübt. Dies ist unvergleichlich wertvoller und wirksamer als der ausgesprochene gewöhnliche Dank, der für die Seele so gar keinen Nutzen hat.

In einer Zeit, in der Menschen das eigene Ego nicht in den Vordergrund gestellt haben sondern wussten, dass jeder nur ein kleiner Teil vom Ganzen ist, war auch diese Bedeutung für jeden Einzelnen klarer.

In der Etymologie steht das „Vergelt’s Gott“ im Zusammenhang mit dem Wort „gelten“ und seine ursprünglich konkrete Bedeutung ist „kosten“ oder „wert sein“. Es lohnt sich, darüber einmal nachzudenken in einer Zeit, in der sogar ein Bitte und Danke seine Wertigkeit verliert und immer mehr verschwindet.

 

 

 

Eine wahre Geschichte
Zu diesem Vergelt’s Gott ist mir eine wunderbare Geschichte erzählt worden. Sie soll sich tatsächlich in einem österreichischen Städtchen zugetragen haben.

Um 1900 gab es eine arme Frau, deren Mann schon längere Zeit schwerkrank das Bett hütete. Schwach und blass lag er in den Kissen, das Herz tat ihr weh, ihn so zu sehen und sie beschloss, zum Metzger zu gehen und ein kleines Stückchen Fleisch für eine kräftige Suppe zu erbitten.

Einige Kunden standen im Laden, als sie dem Metzger ihre Bitte vortrug. Doch dieser schüttelte den Kopf und meinte: „Ich verschenke nichts, bei mir bekommen die Leute nur etwas, wenn sie bezahlen können.“

 „Umsonst will ich es auch nicht“, sagte die alte Frau schüchtern. „Ich kann dir ein Vergelt’s Gott geben.“ Sie zog ein kleines Stückchen Papier aus der Tasche und reichte es hinter die Theke.  Voller Spott nahm der Inhaber den beschriebenen Zettel mit dem Vergelt’s Gott entgegen und legte ihn auf die Waage mit den Worten: „Ich gebe Ihnen so viel Fleisch, wie das Vergelt’s Gott wiegt." Kaum ausgesprochen senkte sich das Blatt in der Waagschale mit einem Schlag nach unten.

Verdutzt legte er sofort in die zweite Waagschale 1 kg Fleisch, doch sie bewegte sich nicht ins Gleichgewicht. Kopfschüttelnd nahm er noch dicke Würste und Suppenknochen aus der Theke. Als das nicht half ging er, um ein größeres besonders schönes Stück Rindfleisch aus der Kühlkammer zu holen und legte es mit auf die Waage. Langsam und Stück für Stück kam das Messgerät endlich in die Waagrechte und er atmete erleichtert auf. Bewusst wurde ihm unter den neugierigen Blicken seiner Kunden und der alten Frau: da war etwas Besonderes am Werk.

Es war fast unheimlich und im Geschäft wurde es mucksmäuschenstill. Alle standen da und staunten über das Geschehen. Der Metzgermeister, der normalerweise nichts verschenkte, verstand die Bedeutung. Fein säuberlich packte er alles ein und reichte es dem Mütterlein freundlich mit den Worten: „Hier, wohl bekomm’s“.

Die alte Frau begann über das ganze Gesicht zu strahlen und unter Tränen stammelte sie noch einmal ein herzliches „Vergelt’s dir Gott“ und verließ voller Freude das Geschäft. Am Abend dankte sie Gott noch viele Male für die große Hilfe, die ihr zu Teil wurde und schickte Dankesgebete zum Himmel.

 

 

 

Noch ein Wort zum Schluss:
Wenn wir Menschen uns untereinander helfen für Gotteslohn, lasst uns dankbar sein, es ist etwas Besonderes. Ein herzliches „Vergelt’s Gott“ freut jeden und schenkt deinem Gegenüber Anerkennung. Ein wunderbarer Brauch ist es, mit einem „Segn’s Gott“ (Segne es Gott) – Gott soll dich segnen, zu antworten. Doch das ist eine andere Geschichte und die erzähle ich beim nächsten Mal …